Spice Island Grenada

Grenadas Farben sind rot, grün, gelb. Die Farbe rot steht für die blutigen Konflikte zwischen Franzosen und Engländern in den Zeiten der Kolonialzeit. Grün für den Dschungel und Gelb für die Sonne. Die Muskatnuss findet sich als Symbol ebenfalls auf der Landesflagge. Grenada ist als kleines karibisches Land mit 120.000 Einwohnern auf Platz zwei der Muskatnuss exportierenden Länder der Welt. Bis zum Hurrikan Ivan 2004 war es sogar Platz eins. Indonesien hält seitdem die Spitze, obwohl es selbst von Grenada Muskatnuss importiert. Das soll ich zukünftig ändern und der erste Platz rückt wieder in greifbare Nähe.

Der Tag der Unabhängigkeit Grenadas ist der siebte Februar. Zu diesem Anlass werden Steine und Häuser in Grenadas Farben angemalt und überall Flaggen aufgehängt. Der Stolz auf die Heimat ist spürbar und es ist wunderschön diese Farben und bunten Wimpeln bei einer Fahrt über die Insel überall zu sehen.

Was fehlt mir als Merkmal auf der Nationalflagge? Die Farbe Lila der frischen Kakaobohne und ihr getrocknetes Schokobraun, sowie das strahlende Lächeln der Bewohner und ihre Freundlichkeit.

Vergangene Woche konnte ich mit unseren Gästen eine Tour mit dem Auto inklusive Guide machen. Bruno lebt seit 15 Jahren als Franzose in Grenada und liebt diese Insel spürbar. Er hat voller Leidenschaft uns seine Wahlheimat gezeigt und uns an seinem Wissensschatz teilhaben lassen. Als weiße Touristen in einem Auto fällt man eben auf. Die Bewohner freuen sich aber ganz offensichtlich, dass wir ihre Heimat besuchen und erkunden. An fast jeder Ecke wird freundlich gewunken, gegrüßt und gelächelt. Als Tourist wird man beschützt und oft gefragt, ob man behilflich sein kann. Dabei wirkt das nicht künstlich oder aufgesetzt, sondern eben ehrlich interessiert.

Nach der entbehrungsreichen Zeit während Covid beginnen die Geschäfte wieder zu laufen und die Dringlichkeit für viele Menschen wird offensichtlich, wenn alte Freunde meines Skippers ihn fragen, ob er vielleicht alte Schuhe für sie hat.

Eine andere traurige Episode: Auf Grenada gab es eine Population von etwa 4000 Affen. Nach Covid sind es wohl noch etwa 350 Stück. Um sich selbst und ihre Familien mit Nahrung zu versorgen, sind die Menschen in den Dschungel gegangen. Dort haben sie nicht nur Früchte gesammelt, sondern auch Tiere wie Affen, Leguane, Opposums und Gürteltiere gejagt. Die Natur wird eine Weile brauchen, um sich zu regenerieren.

Tatsächlich haben wir auf unserer Tour ein breites Sprektum wild wachsender Pflanzen gesehen und gerochen. Es gibt 17 verschiedene Sorten Mango und die Mangosaison beginnt jetzt. Es gibt Papaya, Ananas, Zitronengras, Estragon, Zimt, natürlich Muskatnüsse sowie Kokosnüsse, Lorbeer, Bananen und vieles mehr. All diese Pflanzen wachsen am Wegesrand und im Dschungel. Aufgrund dieser Tatsache gewöhne ich mich langsam daran Männer mit Macheten durch die Straßen schlendern zu sehen auf der Suche nach der nächsten Mahlzeit. Wie die Reaktion in Deutschland wohl darauf aussehen würde?

Unsere letzten Törns haben uns von Grenada nach Martinique – in die europäische Zivilisation – und zurück geführt. Die Kontraste zwischen Start und Ziel sind erstaunlich. Es ist so viel günstiger in der EU einkaufen zu können, andere Gerichte zu genießen und in den Geschäften andere Produkte zu entdecken. Es ist so einfach die Grenze nach Europa mit dem Segelboot zu überschreiten. Trotzdem habe ich es auch genossen zurück in die Einfachheit zu segeln mit ihrer Freundlichkeit, Glückseligkeit und Einfachheit. Es könnte mir kaum bewusster sein wie privilegiert ich als Europäerin mit meinem überall akzeptierten Reisepass bin. Ich habe die Wahl.

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