Vitamin B wie Beziehung. Die Übersetzung ins Englische ist Vitamin C (Connection) oder in griechisch βύσμα [visma]. Die wörtliche Übersetzung von βύσμα lautet Stecker, was mich herzlich zum lachen gebracht hat.
Dabei geht es meines Erachtens weniger darum, wie eng die Beziehung ist. Eher darum die Person anzusprechen, die Jemanden kennt und so freundlich ist zu helfen. Und bisher habe ich in Griechenland niemanden getroffen, der nicht freundlich und hilfsbereit ist.











Diese Eigenschaft hat mir letzte Woche geholfen beim Autofahren wieder den Durchblick zu bekommen. Auf meinem Weg hierher entdeckte ich irgendwann tropfenartige Flecken auf meiner Frontscheibe. Zunächst habe ich mir nicht viel dabei gedacht, aber als der erste Einsatz der Wischwasch-Anlage, WD40 und Spiritus sowie einige Internet-Hausmittelchen nicht halfen, machte ich mir doch etwas Sorgen um meinen Fusselgolf. Es sah aus als hätte Jemand eine Flasche Salzwasser über meiner Frontscheibe verteilt und dann gründlich trocknen lassen. Das Muster war großflächig und verschlechterte meine Sicht erheblich. Nach der Saison kehrt Ruhe und Zeit ein, so dass ich mich auf Lösungssuche begab.
Erster Anlaufpunkt: Ein Spezialist für Autoscheiben in der Hauptstadt mit sehr guten Google-Bewertungen. Die Werkstatt war sehr klein. Die erste Überraschung war, dass nach nur fünf Minuten Wartezeit mit Scheibenreiniger und Rasierklinge versucht wurde das Problem zu beheben. Der Versuch war nicht erfolgreich und die Antwort war leider, dass sie mir nicht helfen könnten und man eventuell die gesamte Scheibe tauschen müsste. Ich bekam vermutlich einen leicht panischen Gesichtsausdruck…
Immerhin wurde mir auf meine Frage, wer mir den vielleicht helfen könnte, eine Werkstatt um die Ecke 500 Meter weiter empfohlen und ich sollte nach Yiannis fragen. Gesagt getan.
Als ich diese Werkstatt betrat, musste ich leider feststellen, dass Yiannis kein englisch sprach, aber dafür seine freundliche Dame im Büro. Problem erläutert und erklärt, wurde die nächste Sprühflasche und Rasierklinge gezückt. Leider mit demselben Ergebnis. Der nächste Anruf folgte. Sie würden einen Spezialisten anrufen, der würde herkommen und ob ich warten möchte. Nach zehn Minuten standen dann drei männliche, griechische Experten um meine Frontscheibe und berieten sich (ohne mich) in griechisch.
Es folgte das dritte Angebot. Die Werkstatt des Spezialisten wäre 500 Meter weiter, ob ich mitkommen und hinterher fahren möchte? Dort könnten sie mir sicher helfen. Gesagt getan und es wurde geholfen. Gegen eine Entschädigung für den Zeitaufwand wurde meine Scheibe gereinigt. Insgesamt vom Eintreffen in der ersten Werkstatt bis zu meinem glücklichen Grinsen sind vielleicht 45 Minuten vergangen.
Das nenne ich lösungsorientiert und ich weiß, an wen ich mich beim nächsten Autoproblem wende.
Hinter mir liegen die Besuche meiner Mama und einer lieben, langjährigen Freundin mit ihrer Familie. Ich muss sagen, dass diese Zeit unheimlich gut getan hat. Glücklicherweise hat Kreta meine Lieben ebenso begeistert wie mich. Umso schöner Zeit zusammen zu verbringen und die Insel und ihr Flair zu genießen. Ich habe zusätzlich genossen mich in deutsch zu unterhalten. Nachdem ich immer öfter feststelle, dass mir manche Redewendungen eher in englisch als in deutsch einfallen, ist die Muttersprache mit ihren Nuancen, Tonfällen und Vielfalt an Wörtern umso schöner. Ich versuche mich zwar weiterhin daran griechisch zu lernen, aber der Unterschied zwischen Wort, Schrift und Sprache ist gewaltig und stellt mich wirklich vor Herausforderungen. Aber immerhin kann ich beim Lesen einen Fortschritt feststellen.

Ach, ist das wieder schön geschrieben!!!❤️
LikeGefällt 1 Person
Offensichtlich ist das „Bescheissen“ in Griechenland nicht so allgegenwärtig wie hier. Gerade auch bei Werkstätten haben wir das erlebt. Wieder sehr schön. Auch dein Griechisch im Text. kuss
LikeGefällt 1 Person
Die Insel ist groß, aber vielleicht nicht groß genug. Hier spricht sich manches schnell rum und ich habe durchaus den Eindruck, dass die Mehrheit geschäftstüchtig ist und Kunden wirklich zufrieden stellen zu will.
LikeLike
Liebe Lea, ich bin Irene, Brieffreundin deiner Mama. Als ich 1974 für ein Jahr nach Griechenland ging, konnte ich nicht englisch. Musste schnell griechisch lernen. Habe jeden Tag 10 Vokabeln gelernt am Anfang und den Rest beim Kontakt mit meinen einheimischen Nachbarn gelernt. XERO LIGO HELENIKA, INNE POLI DISKOLO. Ich kann etwas griechisch. Es ist sehr schwierig. Diesen Satz brauchte ich am Anfang oft. Konnte mich nach 9 Monaten gut verständigen. Dir noch viel Spaß beim Lernen, deine Berichte sind so toll! Liebe Grüsse Irene
LikeGefällt 1 Person
Danke liebe Irene. Ich bin tatsächlich etwas ehrgeizig gerade… es macht mich verrückt, dass ich nichts verstehe und die Sprache ist einfach so anders. Es macht Freude sich rein zu fuchsen. Ganz liebe Grüße…
LikeLike