Jenseits von Regeln

Die Hochsaison neigt sich dem Ende entgegen. In den letzten Wochen flogen im Minutentakt die Flugzeuge über mein kleines Zuhause und brachten Touristen auf die Insel. Daher verspürte ich immer mehr den Wunsch nach Ruhe und habe dafür meine Wege Richtung Süden gelenkt.

Die Südküste von Kreta ist rau und heiß. Die Temperaturen zum Norden können sich um fünf bis zehn Grad Celsius unterscheiden. Die Landschaft ist verdorrt und felsig. Hohe Felswände werden durchschnitten von Canyons, die zu kleinen Buchten und Stränden führen. Es gibt viele Ziegen und die Glockenklänge ihrer Halsbänder werden von den Felswänden wieder gegeben. Oft sieht man sie nicht und sie sind an den steilsten Klippen zu entdecken.

Ich habe Trahoulas und Agiofarago besucht. Einen Parkplatz für meinen Fusselgolf habe ich jeweils nach einer etwa halbstündigen Fahrt über Schotterpisten erreicht und meinen Weg zu Fuß fortgesetzt. Die Wege sind felsig und heiß. Die Akustik und Stimmung in den Schluchten ist einzigartig. Und dann öffnet sich der Blick in die Buchten und auf das Meer. Das Publikum an diesen Plätzen setzt sich zusammen aus Touristen und campenden Einheimischen, teilweise Nudisten. Viele Griechen campen dort an schattigen Flecken im Canyon oder direkt am Strand und verbringen dort ihr Wochenende oder eben ihre Ferien. Wildcampen ist Gang und Gäbe. Viele Griechen wohnen wohl wochenlang an den Stränden der Südküste Kretas.

Immer im Gepäck ist jede Menge Essen. Zu meinem Glück. Bei meinem Ausflug nach Trahoulas hatte ich eine Flasche Wasser und keinen Proviant eingepackt. Ich habe die Stille allerdings so genossen, dass ich den ganzen Tag dort verbracht hatten und lediglich aufgebrochen bin, da mein Hunger und Durst zu groß wurden. Auf dem Rückweg leistete ich etwas Hilfe beim Tragen der Campingausrüstung und kam mit Griechen ins Gespräch. Ich wurde direkt mit Wasser und einem Sandwich versorgt. Ich bin immer noch dankbar für diese freundliche Geste. Allerdings ist die Versorgung des leiblichen Wohls in Griechenland eine Selbstverständlichkeit. Ich denke mir wurde nie so viel Essen geschenkt.

Die Stimmung im Süden von Kreta ist anders. Uhren spielen keine Rolle, ungezwungen, ohne Regeln, frei und kameradschaftlich. Jenseits von Regeln, einfach menschlich und herzlich.

Ich liebe diese Hitze. Doch vor ein paar Tagen gab es den ersten Regen seit Monaten und ich spüre wie sich die Luft verändert. Es ist tagsüber immer noch dreißig Grad, aber in der Nacht schlafe mich wieder unter einer dünnen Decke und ich spüre wie sich die Luft verändert. Die Tage werden kürzer. Bei meiner Anreise war der Sonnenuntergang um 21 Uhr und Ende August verglüht die Sonne um 20 Uhr in spektakulären Farben am Horizont.

Nach zwei Monaten freue ich mich weiterhin jedes Mal, wenn es unter die Wasseroberfläche geht. Jeder Tauchgang ist anders und nie weiß ich, was es zu entdecken gibt. Heute habe ich meine erste Tauchgruppe angeleitet. Es macht mir tatsächlich viel Spaß anderen einen tollen Tauchgang zu bereiten, eine schöne Strecke zu finden, spannende Lebewesen zu entdecken und die Sicherheit aller im Blick zu behalten. Meine Achtsamkeit hilft mir präventiv Gefahren vorzubeugen und meine Empathie sowie Menschenkenntnis die Gäste einzuschätzen. Ich bin sehr gespannt auf die kommenden Wochen, weiter zu lernen und mehr Sicherheit zu bekommen. Tatsächlich habe ich schon eine Schildkröte und Delfine gesehen. Nur ganz kurz und aus der Ferne, aber vielleicht ist mir das Glück erneut hold, wenn es jetzt ruhiger und ruhiger wird. Ich werde es Euch berichten.

3 Gedanken zu “Jenseits von Regeln

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