Die Erde bebt

Ich saß ganz friedlich an meinem Ein-Personen-Esstisch und guckte auf den Innenhof meines aktuellen Zuhauses. Ich beschäftigte mich mit der Frage, wann denn mein Covid Test wieder negativ ausfallen würde.

Plötzlich vibrierte der ganze Tisch. Nein, nicht der ganze Tisch bewegte sich, auch das ganz Haus und der Fußboden. Während ich darüber nachdachte, dass das ein sehr großer und langer LKW auf der Straße sein müsste, setzte mein Gehirn die Hinweise zusammen und mir schoss „Erdbeben“ durch den Kopf. Wirklich ein Erdbeben? Google weiß alles und lieferte dann auch die passende Antwort. Ein Erdbeben der Stärke 4,5 und anhand der Homepage konnte ich die Historie nachvollziehen. Es gibt jeden Tag mehrfach Erdbeben auf Kreta. Die meisten sind nicht spürbar. Ich entspannte mich und lernte dazu, dass sich die europäische und afrikanische Kontinentalplatte hier treffen. Ich kann oder darf damit rechnen, dass mir dieses Phänomen über und unter Wasser wieder begegnen wird. Ich bin sehr gespannt und hoffe, dass alles glimpflich ablaufen wird.

Nach 1,5 Wochen wurde mein Covid-Test negativ und ich konnte mich unter Menschen wagen. Ich arbeite seit etwa zwei Wochen. Und nachdem ich anfangs kurzatmig war, konnte ich bei meiner gestrigen Wanderungen feststellen, dass ich mich fit fühle. Das Treppensteigen nach meinem erfrischenden Bad am Wasserfall war ohne Schnappatmung möglich. Ich bin bereit für neue Taten.

Es fällt mir schwer aus gesundheitlichen Gründen „ruhig“ gestellt zu werden. Meine Geduld hält sich diesbezüglich in Grenzen. Es gibt so viele und aufregende Dinge zu erleben. Endlose Möglichkeiten meine Tage abwechslungsreich zu gestalten. Dabei gehört das zum Leben dazu. Mal nicht fit sein.

In den letzten Wochen habe ich bei meinen Erkundungstouren viele besondere Momente erlebt. Ich bin berauscht von dieser rauen, sonnenverbrannten Landschaft mit ihren hohen Bergen, den Canyons, Wasserfällen und endlosen kleinen Buchten mit zauberhaften Stränden und türkisblauem Wasser. Mittlerweile ist es Hochsommer und es ist keine Seltenheit, dass am Tag vierzig Grad erreicht werden. Ich bin froh über meine karibisch tropische Vorbereitung auf diese Temperaturen. Ich finde das Wetter herrlich und den wolkenlosen, blauen Himmel jeden Tag über mir.

Gestern habe ich ein salzfreies Bad am Fuße eines Wasserfalls in der Richti-Schlucht genommen und das eisige, klare Wasser vor meinem einstündigen Rückweg genossen. Ich bin durch einen grünen und schattigen Canyon gewandert. Ich war sehr froh über mein festes Schuhwerk. Musste mehrfach den Wasserlauf auf Steinen überqueren und über einige Felsen klettern. Die Wanderung in den Calanques von Frankreich hat mich gut vorbereitet, denn ich konnte einigermaßen unerschrocken meinen Weg fortsetzen und die Erfrischung am Wasserfall genießen. Auf meinem Abenteuer hat mich die ohrenbetäubende Musik der Zikaden begleitet, die hier allgegenwärtig ist.

Als ich eine letzte Rast einlegte und gerade dachte, dass es großartig wäre, wenn jetzt Jemand vorbeikommen würde und mich das restliche Stückchen Feldweg im Auto zu meinem Fusselgolf bringen würde… Ratet mal. Wenige Sekunden später hielt ein Jeep auf dem Parkplatz und ein deutsches Pärchen stieg aus. Die Beiden berieten sich, ob sie die Wanderung so spät am Tage noch unternehmen sollten. Wir kamen ins Gespräch und ich berichtete von meinen Erfahrungen. Sie entschieden sich am nächsten Tag wieder zu kommen und fragten, ob sie mich mit zum Parkplatz nehmen könnten.

Es überrascht mich einfach immer wieder, wie spontan freundlich und hilfsbereit Menschen sein können. Das fällt mir aber in Griechenland nicht nur bei Touristen aus. Bei meinem Kauf von Zucchiniblüten im Supermarkt wurde ich an der Kasse gefragt, ob ich den wüsste, wie ich diese zubereite und direkt mit einem Rezept versorgt.

Nur die regelmäßige Frage, ob ich den Eintritt oder das Gemüse für nur eine Person benötigen würde, ist irgendwie seltsam, befremdlich und auch störend. Vielleicht fällt mir darauf mit der Zeit eine schlagfertige Antwort ein mit dem Hinweis auf meinen unsichtbaren Freund Norbert…

4 Gedanken zu “Die Erde bebt

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