Glück im Unglück

Was war mein Glück?

Ich habe einen wunderschönen Campingplatz in der Nähe von Delphi aufgetan, wo ich Kraft tanken und relaxen konnte. Der Ausflug zu den Ruinen von Delphi war kurz und der Ausblick spektakulär. Der Weg an den Hafen war kurvenreich, einsam und mit Blicken über die überraschend bergige Landschaft Griechenland geprägt. Mein Fusselgolf fiel erst aus als wir die erste größere Stadt erreichten. Die nächste Werkstatt war direkt um die Ecke. Ich konnte mein Fährticket in ein Open Ticket umwandeln. Die Griechen sind hilfsbereite, freundliche und aufmerksame Menschen und Gastgeber. Ich habe ein Bad und Elektrizität, tolle Eltern und Freunde. Die Sonne scheint und ich bin in Griechenland.

Was war mein Unglück?

Das genau Ausmaß kann ich erst heute Nachmittag abschätzen. Ganz nach dem Motto meines letzten Blogbeitrages konzentriere ich mich auf Lösungen und versuche nicht über Konjunktive nach zu denken.

Gestern fuhr ich in das erste größere Örtchen und hatte weitere 150 km bis zu meiner nächsten Fährfahrt vor mir. Nach einer Unebenheit in der Straße, klang mein Auto plötzlich besorgniserregend. Ich hielt am Straßenrand und lief einmal um den Fusselgolf, checkte die Reifen und ob mir irgendwas besonderes auffällt. Im Stand waren die Geräusch nicht so außergewöhnlich. Ich fand nichts und fuhr erst mal weiter. Allerdings nur ein paar hundert Meter, denn die gequälten Geräusche aus dem Motorraum waren für meine Ohren nicht zu ertragen.

Wieder anhalten, rumlaufen und diesmal ging ich in die Knie um unter meinen Gefährten zu linsen. Dabei fiel mir eine bedenkliche Ausbuchtung des Unterbodens auf. Ich öffnete die Motorhaube und stellte mit Unglauben fest, mein Motor befand sich nicht mehr an der vorgesehenen Stelle. Mein Motor?!

Mir schoss durch den Kopf, dass ich mich ja irren muss. Setze mich ins Auto und sah dann zum Glück vor mir eine Tankstelle. Ich steuerte auf dieses Ziel zu und winkte dem hilfsbereiten Griechen ab, der erst mal volltanken wollte. Der zögerte direkt, als er die qualvollen Geräusche des Fusselgolfes hörte. Ich öffnete erneut den Motorraum in der Hoffnung, dass ich mich geirrt haben musste. Der verwirrte und verstörte Blick des Tankwartes belehrte mich allerdings eines Besseren.

Er geleitete mich dann wie ein Fluglotse von der Tankstelle um die Ecke und meine geschockten Augen erblickten eine Werkstatt! Die Erleichterung war groß.

Es folgte dann das Übliche. Die Verletzung kann von leicht bis sehr schwer sein und die genaue Diagnose kann erst heute nach genauerer Betrachtung erfolgen.

Dann folgte das wirklich Überraschende.

Einer der Mechaniker brachte mir eine Flasche Wasser und einen griechischen Snack (sein Mittagessen?) mit den Worten, es wäre jetzt Essenszeit. Tatsächlich fühlte ich mich sofort etwas besser.

Ein Bruder wurde angerufen, der etwas deutsch sprach und versuchte am Telefon zu übersetzen und mir noch mal deutlich zu machen, dass ich bitte nicht weiterfahren soll.

Ich wurde zum Hotel gefahren und eine Visitenkarte wurde mir überreicht mit dem Hinweis, ich könnte jederzeit anrufen, falls ich etwas brauche. Im Hotel war der Empfang zuvorkommend und herzlich. Mein Unterkunft ist einfach, aber sauber. Auch diese Visitenkarte steckt in meinem Portmonee und ich soll mich telefonisch melden, wenn ich etwas brauche.

Und die emotionale Unterstützung meiner Eltern und eines Freundes am Telefon, die ich für ein kreatives Brainstorming brauchte, war fantastisch.

Mein zukünftiger Gastgeber am Ziel dieser Fahrt rief für mich bei der Fährgesellschaft an und wandelte mein Ticket um, so dass der Ticketpreis nicht verloren geht. Er beruhigte mich außerdem und sagte, dass ich mir keine Sorgen machen soll und mein Job wartet auf mich.

Meine Nacht war trotzdem etwas unruhig unter anderem weil ich von Mücken attackiert wurde und leider mein Mückenspray im Auto vergessen hatte. Und zur Krönung ist das die zweite Version dieses Beitrages. Die erste wurde ging gestern leider verloren.

Insgesamt ist mein Fazit trotzdem positiv und ich hoffe mein Glück hält heute an und der endgültige Befund wird verkraftbar. Mein Mechaniker meinte auf dem Weg ins Hotel zu mir: „Gut, dass mir das in Griechenland passiert ist, denn schließlich sind die Griechen sehr hilfsbereit.“ Ich fühle mich trotz allem wohl und bin gespannt, wie es weiter geht und wann und wie ich mein eigentliches Ziel erreiche werde. Unkomplizierte Freundlichkeit und verständnisvolle Hilfsbereitschaft begegnet mir. Glück im Unglück.

3 Gedanken zu “Glück im Unglück

  1. Mein lieber Fussel, deine Erlebnisse sind wirklich immer sehr besonders!💗
    Ich bin gespannt, was folgt…. gehe davon aus, alles wird gut!😘

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  2. Hallo Lea,
    ich hoffe dass der Schaden an deinem Golf nicht allzu schlimm ist… wünsche dir weiterhin mehr Glück als Unglück auf deiner weiteren Reise ☺️

    LG
    Michaela

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    1. Gestern bekam ich die gute Nachricht, dass ich mein Auto heute Nachmittag wohl wiederkriegen werde und meinen Weg somit fortsetzen kann. Der engagierte Mechaniker hat extra um sechs Uhr für mich mit 🤩 bin sehr erleichtert… Liebe Grüße zurück!

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