Gewohnheiten

Morgens klingelt der Wecker, Aufstehen, Badezimmer, der morgendliche Toilettengang und Zähne putzen, Dusche, Anziehen, Schminken, Haare föhnen, manchmal Frühstück und dann los zur Arbeit. Abends Schuhe ausziehen, Jogginghose anziehen, Essen und auf die Couch zum Fernsehen. Ich weiß nicht genau wie lange ich diesen Ablauf eingehalten habe. Sicherlich Jahre. Irgendwann fiel mir auf, dass Abweichungen mir immer schwerer fielen und ich mich unwohl mit ihnen fühlte.

Gewohnheiten geben uns Sicherheit und entlasten unser Gehirn. Sie erfüllen eine Funktion und sind definitiv sinnvoll, aber bis zu welchen Grad? Und gibt es diesen Zweck in unserer heutigen Zeit noch?

Sind Gewohnheiten sogar manchmal gefährlich? Diese Frage stellte ich mir am Wochenende. Ich machte einen Selbstverteidigungskurs (https://www.dein-sicherheitscoach.de/) und ich war überrascht als es um Gewohnheiten ging. Wir können eventuell Gefahren vermeiden, wenn wir von unseren Gewohnheiten abweichen. Das fällt uns mitunter so schwer, dass wir es nicht tun und uns unnötigen Gefahren aussetzen. Zum Beispiel? Der Heimweg durch den dunklen Park, den ich immer nehme. Ich gehe auf „meiner“ Straßenseite, obwohl mir jemand entgegenkommt, der mir unheimlich ist. Oder der Weg zu meinem Auto in der Tiefgarage und weil ich unbedingt an den Kofferraum oder meine Fahrertür gehen möchte, wende ich einer potenziellen Gefahr den Rücken zu. Natürlich ist das Alles mein Recht… oder eben nur eine Gewohnheit, an der ich festhalte? Um jeden Preis?

Ich habe irgendwann für mich entschieden, dass ich Gewohnheiten nicht mag. Ich wurde wachsam für diese Verhaltensmuster und versuchte sie durch Kleinigkeiten zu verändern oder zu variieren. Meiner Erfahrung nach bin ich dadurch flexibler, manchmal kreativer und aufmerksamer. Ich stellte sogar in den letzten Wochen fest, dass ich achtsamer gegenüber meiner Umwelt bin als viele Freunde. Ich nehme Details wahr und beobachte meine Umgebung. Zum Beispiel sehe ich den versteckten Gorilla in einem bekannten Video zum Thema Achtsamkeit oder aber mein Trainer Oliver im Selbstverteidigungskurs ist überrascht von meiner Reaktionsgeschwindigkeit bei einer Übung.

Die wichtigste Gewohnheit, die mir die größte Sicherheit gab und die ich abgelegt habe, war dann vermutlich mein geregelter und bequemer Job. Es hat Jahre gedauert, bis mir das möglich war. Von der Erkenntnis, dass ich meinen Job nicht mag bis hin zu der Stärke oder dem Mut oder der Entschlossenheit die notwendige Konsequenz zu ziehen, sind bestimmt zehn Jahre vergangen. Diese Gewohnheit hat mich krank gemacht und trotzdem konnte ich nicht von ihr lassen.

Jeder muss den passenden Grad an Gewohnheiten und der Sicherheit, die sie mit sich bringen für sich selbst finden. Jeder von uns hat dahingehend ein anderes Bedürfnis. Nicht jede Gewohnheit ist schlecht und beim Duschen halte ich an derselben Reihenfolge wie vor zehn Jahren fest… aber eine andere Reihenfolge macht eben einfach keinen Sinn. Oder…? Ich bin überzeugt, dass es sich nicht lohnt an jeder Gewohnheit, um jeden Preis festzuhalten. Denn das macht uns träge, unachtsam und bringt uns sogar manchmal in Gefahr oder, wie in meinem Falle, macht es krank.

Ein ehemaliger Chef hat zu mir gesagt: MUT heißt „Machen Und Tun.“ Gesagt hat er mir das vor mehr als zehn Jahren und ich habe bestimmt hundertmal daran gedacht. Gewohnheiten zu verändern, bedeutet manchmal Mut und vor allem Ausdauer. Für mich hat es sich definitiv ausgezahlt achtsam für Gewohnheiten zu sein und sie nicht hinzunehmen. Veränderungen sind mein Salz in der Suppe. Sie bringen mich manchmal zur Verzweiflung und machen mich stärker. Veränderungen bedeuten für mich Achtsamkeit. Ein bisschen mehr Achtsamkeit für unser Leben und unsere Umwelt sowie unsere Freunde bringen eine andere Form von Sicherheit und Zufriedenheit als eine Gewohnheit es jemals könnte.

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