Tierische Besucher und Paul

Meinen schüchternen Freund habe ich am ersten Abend in meiner neuen Unterkunft in Italien kennenlernen dürfen. Ich bin um etwa 20 Uhr zum Sonnenuntergang an meinem Ziel angekommen und war sehr müde von der langen Fahrt. Ich habe mich früh von Michaela und Vasco verabschiedet und habe meine Unterkunft bezogen.

Ich gestehe, dass ich ein kleines bisschen Heimweh geplagt war. Ich schiebe das aber auf meine körperliche und geistige totale Erschöpfung. Ich habe lange mit einem Freund telefoniert und wir haben über Skorpione in Kambodscha gesprochen, die so groß sind wie Hummer… Aber das ist nicht meine Geschichte.

Ich habe meine Sachen ausgepackt und mich zu meinem Bad begeben. Ich mache das Licht an und wer begrüßt mich an der Wand? Ein vielbeiniger, schwarzer Kerl mit Scheren und Stachelschwanz – ein Hummer! Er hatte es sich in einer Ecke gegenüber der Toilette bequem gemacht, die ich gerade besuchen wollte. Zur genauen Vorstellung: der Abstand zwischen der Ecke und mir, wenn ich auf der Toilette sitze, ist unter 50 Zentimetern. Kann man zu erschöpft sein, um sich zu erschrecken? Für ein mulmiges Gefühl und den Gedanken, ob die Skorpione in der Toskana wohl giftig sind, hat es zumindest gereicht. Meinen Schlafsack habe ich lieber ausgeschüttelt. Wer weiß, wie viele Freunde er wohl hat…

Am nächsten Morgen beim Frühstück habe ich von meiner Begegnung berichtet und wir wurden sozusagen vorgestellt. Das ist also Paul. Er lebt bereits länger im Badezimmer und zeigt sich von Zeit zu Zeit. Seine Ansprüche sind somit älter als meine. Offenbar fühlt sich sein Stich an wie ein Wespenstich und ist normalerweise harmlos. Außerdem kann ich froh sein, dass ich ihn habe, denn er frisst Mücken. Die haben mich in den letzten zwei Wochen definitiv öfter gestochen, als ich Paul über den Weg gelaufen bin. Ich habe ihn seit unserer ersten Begegnung nicht wieder gesehen, aber ich bin mir sicher: er ist da. Ich bin gespannt auf weitere Treffen mit sicherem Corona-Abstand und schüttle bis dahin immer fleißig meine Handtücher aus.

Zwischenzeitlich hat auch Alfred, der Grashüpfer mein Badezimmer besucht. Ist aber wieder ausgezogen. Draußen hat mich die Schildkröte des Hauses überrascht und der Kater macht regelmäßig seine Siesta neben mir. Die Erinnerungen an einen Wespenstich habe ich bei der Weinernte erneuert und hoffe daher, dass Paul und ich friedlich koexistieren können.

3 Gedanken zu “Tierische Besucher und Paul

  1. Die Bilder sind wieder sehr schön! Mich begeistert die Toscana immer wieder, ich habe da bestimmt mal gelebt in früheren Leben… Ich wünsche dir weiterhin tolle Erlebnisse und friedvolle „Hausmitbewohner“! 😉

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