Gemeinsam Lächeln

Im Supermarkt auf Carriacou gibt es standardmäßig Macheten zu kaufen. Zwischen dem Gewürzsaucenregal und Ölgemischen für Motoren akkurat ausgestellt. Der Preis beträgt knapp fünfzig XCD, umgerechnet knapp achtzehn EUR. Der Ostkaribische Dollar wird in den Geschäften EC abgekürzt und als „easy“ bezeichnet. Easy Money, easy Life.

Eine passende Fortsetzung meines letzten Beitrag und den Männern mit Macheten.

Heute gerade begegnete mir wieder ein Exemplar auf dem Fischmarkt. Ich konnte meinen Augen kaum trauen als die Fünf-Pfund-Thunfisch-Scheibe per Machete abgetrennt und zerlegt wurde. Das war schon Kunsthandwerk. Der Thunfisch hat übrigens auch fünfzig XCD gekostet. Ich bin gespannt, was mir zu dem Thema Macheten in den nächsten zwei Monaten darüberhinaus begegnen wird. Und wie ungewöhnlich und fremd sowas zu schreiben. Das wäre mir in Deutschland oder vermutlich Europa nicht passiert.

Hinter mir liegen vier Monate Arbeit auf einem Segelboot. Ein oder zwei Monate liegen vor uns. Langsam aber sicher gehen mir die Kräfte aus. Ich fühle wieder die altbekannten Stress- und Belastungssymptome. Mein Kiefer ist angespannt und schmerzt beim Aufwachen. Meine Schultern sind fest und von Zeit zu Zeit schleichen sich die Schmerzen meinen Nacken nach oben in meinen Kopf. Mein Geduldsfaden ist kurz. Es ist interessant diese altbekannten Warnsignale heute seht bewusst wahrzunehmen. Ich bin sehr achtsam mit meinem Körper und meinem Geist, und versuche jede Chance für eine Pause oder Me Time zu nutzen. Das klappt nicht immer.

Stellt Euch vor Ihr würdet seit vier Monaten ununterbrochen Gäste in Eurer Wohnung bewirten und beherbergen… Meist ist man froh, wenn der Besuch nach einer Woche wieder fährt oder nach einem Wochenende.

Diese Arbeit ist ein toller Lehrmeister. Ich erkenne viele Probleme aus meine Tätigkeit als Bankkauffrau wieder. Die Veränderungen bei mir nehme ich aber viel bewusster wahr und vor allem viel schneller. Mittlerweile habe ich einige Mittel und Wege um die Reserven wieder aufzufüllen. Wichtige Unterstützungen sind allerdings einfach diese wunderschöne Umgebung und diese freundlichen und lächelnden Menschen. Wenn ich meinen Weg zum Fischmarkt eilig und gestresst starte, und dank der freundlichen Begegnungen zumindest mit einem kleinem Lächeln beende. Die Karibik lehrt mich, dass Tempo nicht hilft und die Menschen, denen man begegnet im Mittelpunkt stehen.

Wenn Du Jemanden ohne Lächeln siehst, schenke ihm Deins.

Unbekannt

Erst vor ein paar Tagen habe ich eine andere Deutsche in der Marina von Grenada getroffen. Sie sagte mir, dass Sie sich nicht vorstellen kann wieder in Deutschland zu leben. Wenn Sie mal wieder dort ist, spürt sie wie ihre Kräfte aufgezehrt werden. Ihr fehlt das Lächeln und die Wärme der Menschen, die sie auf Grenada kennen gelernt hat. Dieses Gemeinschaftsgefühl und Miteinander habe ich in dieser Form ebenfalls das erste Mal erlebt.

Mein Skipper quält sich seit zwei Wochen mit einem sehr schweren Hexenschuss. Er humpelt im Entengang über die Inseln. Und die Hilfsbereitschaft ist unglaublich. Jeder fragt nach seinem Wohlbefinden und bietet seine Hilfe an. Es gibt kein Wegschauen. Ich nehme mir für die Zukunft fest vor mir an diesem Verhalten ein Beispiel zu nehmen, denn das macht den Aufenthalt und das Leben in Grenada wundervoll und zu einer besonderen Erfahrung.

3 Gedanken zu “Gemeinsam Lächeln

  1. Hi Maus, dass man Machete mit Freundlichkeit verbinden kann, ist schon besonders 😉
    Deine Beobachtungenbezüglich Deines Befindens, sind wichtig und bringen meine Gefühle in Wallung. Pass auf. Sehr schöne Zeilen – ich war schön auf Entzug. 😘, pap

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