Vielfalt

Ich sitze in der Chatham Bay auf Union Island. Es gibt hier einen Strand mit einer Handvoll Strandbars und einem winzigen Hotel. Es gibt keine Straße in diese Bucht, lediglich eine holprige Piste. Die einzigen Besucher dieser Bucht sind mit einem Boot angereist. Vor Anker liegen knapp zwanzig Yachten und am Nachbartisch sitzen Deutsche. Neben der erstaunlichen Tatsache Landsleute in dieser versteckten Bucht zu treffen, bewundere ich ebenfalls die Fähigkeit der Einheimischen Wifi in den entlegenste Ecken zu installieren. Die Notdurft wird im Plumpsklo verrichtet, aber ich kann 2 GB Daten sichern. Ich nenne das Konzentration auf die wirklich wichtigen Dinge, denn wie viel ist eine bequeme Toilette schon wert im Vergleich zum Kontakt mit Freunden und Familie. Vermutlich gibt es dazu unterschiedliche Meinungen.

Die südliche Karibik ist wunderschön. Es hat wieder eine Weile gedauert anzukommen. Und obwohl an einem neuem Ort zunächst unheimlich viele Eindrücke auf mich einwirken, konnte ich sofort die besondere Atmosphäre hier genießen. Die Menschen sind sehr freundlich und glücklich Touristen nach Covid wieder willkommen zu heißen. Ich liebe das träge Tempo hier. Es macht mir Freude unsere Gäste aus ihrem deutschen Tempo zu holen und bei auftretender Hektik darauf hinzuweisen, dass wir in der Karibik sind und keine Notwendigkeit für Stress oder Eile besteht. Das eine oder andere Mal ernte ich dafür erstaunte Blicke, aber die karibische Müdigkeit holt am Ende Jeden ein.

Ich habe einiges erlebt und gesehen in den letzten Wochen.

Es war sehr anspruchsvoll den Vulkan in St. Vincent zu besteigen. Der Vulkan ist das letzte Mal erst 2021 ausgebrochen und die Spuren waren der Natur und den umliegenden Ortschaften anzusehen. Auf dem Weg mit dem Bus zum Berg waren zum Teil bergeweise Vulkanasche zu sehen sowie zerstörte Häuser. Der Weg gen Krater führte zunächst durch dichten Dschungel, wobei der Weg sehr gut markiert war. Irgendwann wurde die Vegetation immer weniger, da viele Pflanzen durch die Asche erstickt sind und das Leben sich erst langsam wieder einen Weg bahnt. Der Wanderguide erzählte zum Beispiel, dass jetzt erst langsam die Tiere (wie zum Beispiel Kolibris) auf den Berg zurückkehren. Der Weg zum Gipfel war sehr anspruchsvoll und führte über Steine und Geröll – Spuren des Ausbruchs. Am Krater angekommen machte mich der Ausblick ehrfürchtig. Der Krater ist mehr als eine Meile groß. Es ist die höchste Erhebung der Insel und der Atlantik und das karibische Meer zeitgleich zu sehen. Die Luft ist von Schwefel angereichert.

Vor kurzem habe ich einen Artikel über Ehrfurcht gelesen. Darin hieß es, dass Ehrfurcht mit Dankbarkeit einhergeht und Menschen glücklicher sind, wenn sie die Fähigkeit haben diese Emotionen zu empfinden. Diesen Vulkan zu besteigen, mal wieder die eigenen Grenzen zu überwinden und am Rande dieser kraftvollen Natur zu stehen, lassen mich unsere Welt bewundern.

Natürlich gibt es die typische Welt der Karibik mit weißen oder rosa Sandstränden und Palmen sowie türkisem, klarem Wasser. Sandy Island, einem winzigen Eiland vor Carriacou, lässt alle diese Träume wahr werden. Die Insel der Einsiedlerkrebse mit einem wunderschönem Riff zum Schnorcheln und Pelikanen, die die fischreichen Gewässer als Nahrungsquelle nutzen. Es gibt natürliche Austernbänke in den Mangroven von Carriacou und wunderschöne Tauchplätze wie den Sister Rocks. Am Horseshoe Reef in den Tobago Cays durfte ich einem Ammenhai begegnen, habe einen Stachelrochen getroffen und in der Chatham Bay einen Adlerrochen vorbeifliegen sehen. Die Unterwasserwelt ist atemberaubend! So viel Leben!

Union Island ist ein Traumziel für Kitesurfer und ich freue mich schon Material zu leihen und endlich mal wieder über das Wasser zu flitzen.

Verliebt bin ich aber in die Insel Mayreau mit ihren langen, einsamen Stränden und dem winzigen Örtchen. Nirgendwo ticken die Uhren langsamer als in dieser karibischen Idylle. Der Sternenhimmel ist etwas klarer und abends höre ich vom Strand Musik, manchmal sogar Livemusik einer Steel Band. Der Blick über die Tobago Cays und den umliegenden Riffen vom höchsten Punkt der Insel werde ich in Erinnerung behalten.

Die Karibik mit ihren zahllosen Inseln von den Bahamas bis nach Trinidad & Tobago bedeutet unterschiedlichste Welten zu entdecken. Auch wenn unsere Segeltörns uns vierzehntägig zu denselben Zielen führen, ist immer wieder etwas Neues zu entdecken.

3 Gedanken zu “Vielfalt

  1. Grandios! Bewegend und berührend! Ich habe es genossen von Dir zu lesen und bin dankbar für Deine tollen Worte und Eindrücke! Hab Dich lieb!🥰🥰😘

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